Naturheilkundliche Tumortherapie

Jede Tumorerkrankung führt zu einer Erschütterung im Leben des Betroffenen und seiner Angehörigen. Nach der Überwindung des ersten Schockes gilt es, die für diesen Menschen individuell passende Behandlung zu finden. Die Entscheidung ist einerseits davon abhängig, welche Heilungschancen die verschiedenen schulmedizinischen Therapieansätze bieten. Sie ist aber auch davon abhängig, wie der Betroffene mit den verschiedenen möglichen Nebenwirkungen umgehen kann. Schliesslich ist der Umgang mit Angst ein zentrales Element der Tumorbehandlung.


Neben der klassisch-homöopathischen Behandlung, die für mich am nächsten an die Krankheitsursache kommt, da sie versucht, den ganzen Menschen in seiner Geschichte zu verstehen, halte ich gerade bei Tumorerkrankungen eine naturheilkundliche Begleittherapie für sehr empfehlenswert.

 

Bereits Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde die Mistel von Rudolf Steiner in die Tumortherapie eingeführt, wobei Steiner sich damals an der „Signatur“ der Pflanze orientierte, d.h. an deren Erscheinung, wie sie sich in Wachstumsrichtung, Blüte- bzw. Fruchtzeit, Blätterbildung, usw. zeigt.

 

Steiner hatte beobachtet, dass die Mistel – im Unterschied zu fast allen anderen Pflanzen – im Winter reife Früchte trägt. Ausserdem wächst die Mistel nicht senkrecht nach oben (wie die meisten anderen Pflanzen) sondern kugelig und auch nach unten.

Die Form der Mistel und ihre Wachstumsart (kugelig durch immer weitere Aufteilung in 2 Zweige) erinnert an einen Tumor. Schliesslich ist die Mistel ein Parasit, wächst auf Kosten des Baumes, auf dem sie lebt – wie der Tumor auf Kosten des Gesamtorganismus wächst.

 

Die Mistel enthält verschiedene Pflanzliche Proteine (Lektine) und andere Inhaltsstoffe, die sowohl wachstumshemmend auf die Tumorzelle wirken als auch die tumorspezifische Abwehr verstärken.

 

Inzwischen ist die Mistel wohl das am häufigsten verwendete naturheilkundliche Medikament. Man unterscheidet verschiedene Wirtsbäume, die je nach Tumorlokalisation und Empfindlichkeit des Patienten ausgewählt werden.

 

Es gibt verschiedene Präparate von verschiedenen Herstellern. Einige Präparate haben einen standardisierten Lektingehalt, Iscador ist fermentativ vergoren. Durch die verschiedenen Herstellungsverfahren können die Misteldosen, die angewendet werden von Präparat zu Präparat sehr unterschiedlich sein.

Mistelpräparate werden in der Regel unter die Haut gespritzt, was die meisten Tumorpatienten schnell selber erlernen können.

 

Ein weiteres wichtiges Element in der naturheilkundlichen Tumortherapie ist die systemische Enzymtherapie. 

Bereits 1911 empfahl ein britischer Forscher namens John Beard den Einsatz von Enzymen in der Krebsbehandlung. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden Strukturen an der Zelloberfläche entdeckt, die letztlich dazu führen, dass Tumorzellen metastasieren können. Diese Strukturen können durch Enzyme behindert werden. Tumorzellen können sich auch mit einer Schicht umgeben, die bewirkt, dass die körpereigenen Abwehrzellen sie nicht erkennen. Diese Schicht kann von proteolytischen (eiweißspaltenden) Enzymen, aufgelöst werden, so dass gerade immunstimulierende Therapien (wie Misteltherapie) stärker wirken. Ausserdem regen die Enzyme das Immunsystem direkt an. 

 

Zwar sind die meisten Enzympräparate nur für die Behandlung von Entzündungen zugelassen, sie können aber auch für die Behandlung von Tumoren verwendet werden.

 

 

In den letzten Jahren sind die sogenannten „freien Radikale“ zunehmend ins Bewusstsein der komplementärmedizinisch arbeitenden Onkologen gerückt. Darunter versteht man Substanzen, die ein starkes Bestreben haben, mit anderen Substanzen zu reagieren und dadurch Tumorwachstum auslösen können. 

Verschiedene Vitamine und Spurenelemente können die freien Radikale im Organismus binden und sind damit ein wichtiger Bestandteil naturheilkundlicher Tumortherapie. Insbesondere wirkt Vitamin C in sehr hoher Dosis (7,5 oder 15 g als Infusion) als „Radikalfänger“ oder Antioxidans. Wichtig ist auch, dass ausreichend Selen angeboten wird, zumal bei den meisten Menschen in Deutschland ein Selenmangel vorliegt.

 

Neueste Forschungsergebnisse haben ergeben, dass auch Curcuma (der gelbe Farbstoff des Gewürzes Curry) eine tumorhemmende Wirkung hat, so dass auch die Gabe von Curcuma eine unterstützende Wirkung bei Tumorpatienten haben kann.

 

 

Ganz wichtig ist aber auch die Begleitung dessen, was an Konflikten, Fragen, Zweifeln und Ängsten beim Patienten entsteht, die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Therapieangeboten – auch den schulmedizinischen – und ihren Nebenwirkungen. Vielleicht ist die größte      Herausforderung komplementärmedizinischer Tumortherapie die Begleitung  des Patienten auf seinem individuellen Weg.